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Tobias Weilandt | EXPLORATIVE ORTE DER PHILOSOPHIE | PHILOSOPHIEVISUALISIERUNGEN ALS MEDIEN DER KÜNSTLERISCHEN UND WISSENSCHAFTLICHEN FORSCHUNG UND VERMITTLUNG

Modellieren ist eine klassische Forschungspraxis (vgl. Dreissigacker 2015, S.181). Modelle sind Medien des Weltzugangs und der Erschließung der Welt und dienen mithin der Vermittlung komplexer Inhalte. Sind Modelle unterschiedlicher Couleur gang und gäbe in den Naturwissenschaften, so wird in den Geisteswissenschaften und vor allem in der Philosophie zwar über Bilder und Modelle nachgedacht, selten aber mit ihnen.
Abseits der akademischen Philosophie entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl an Philosophie-Projekten und -Unternehmungen, die als künstlerisch forschend charakterisiert werden können. Künstlerisch forschend sind sie m.E. dadurch, dass sie mittels der künstlerischen Transformation philosophischer Inhalte in Modellen und 3D-Diagrammen versuchen, neue Erkenntnisse mittels dieser Visualisierungen zu generieren und so neue Zugänge zur Philosophie zu finden. Diese Vorgehensweisen sind allein schon dadurch interessant und untersuchenswert, als dass sie zum einen mit dem 2500 Jahre alten „Bilderverbot“ der Philosophie (vgl. M. Horkheimer und T. W. Adorno 1985, S. 507) brechen, zum anderen versuchen abstrakte und komplexe Inhalte bildlich und modellhaft darzustellen.

Im Rahmen dieser Visualisierungsvorhaben wird vornehmlich mit Modellen gearbeitet, die als Schemata bezeichnet werden können, denen zugleich aber auch eine „enhancement“-Funktion (Rheinsberger 2009, S.128) zugeschrieben werden kann. Ausgehend von klassischen Modelltypen der Wissenschaften werde ich herausarbeiten, welche Merkmale typisch für die künstlerisch-transformative Arbeit ausgewählter Visualisierungsprojekte sind – immerhin treffen sich Wissenschaft und Kunst in ihren Forschungsaktivitäten bei der Praxis des Modellierens. Ich werde in meinem Vortrag des Weiteren folgenden Fragen nachgehen: Welche Arten von Modellen werden in Wissenschaften und Kunst verwendet? Welche Funktionen sind den genuinen Modellen der künstlerischen Forschung inhärent? Und inwiefern lässt sich mittels Modelle argumentieren? Anhand von ausgewählten Beispielen von künstlerischen Modellen philosophischer Theorien werde ich meine Überlegungen veranschaulichen.

Literatur:
Dreissigacker, Thomas: Modellieren, in: Jens Badura, Selma Dubach, Anke Haarmann et. al. (Hrsg.): Künstlerische Forschung. Ein Handbuch. Zürich, Berlin 2015. S. 181-184.
Horkheimer, Max, Adorno, Theodor W.: Diskussionen über die Differenz zwischen Positivismus und materialistischer Dialektik, in: Max Horkheimer: Gesammelte Schriften, Frankfurt a.M. 1985, Bd. 12. S. 507.
Rheinsberger, Hans-Jörg: Sichtbar Machen. Visualisierung in den Naturwissenschaften, in: Klaus Sachs-Homburg (Hrsg.): Bildtheorien. Anthropologische und kulturelle Grundlagen des Visualistic Turn. Frankfurt 2009. S. 127-145.

Kurzvita:
Tobias Weilandt, M.A. studierte Kulturwissenschaften, Jura und Philosophie an den Universitäten Frankfurt (Oder), Malmö und Marburg. Er ist Gründungsmitglied und war bis 2018 Vorstandsmitglied des Museumsprojektes DenkWelten –Deutsches Museum für Philosophie. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen die Philosophie des Geistes, Tierphilosophie, Bildphilosophie und Bildwissenschaft sowie die museale Vermittlung philosophischer Inhalte. Tobias Weilandt promoviert zum Thema „Teleologische Beschreibungsstrategien tierlichen Verhaltens“ am Institut für Philosophie der Philipps-Universität Marburg.