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Elke Mark | TAKTIL-PERFORMATIVE UND MIKRO-PHÄNOMENOLOGISCHE FORSCHUNGSPRAXIS | EINBEZUG SPÜRBAREN WISSENS IN DER KUNSTVERMITTLUNG

Der Beitrag nimmt in einem interaktiven Lecture-Performance-Format Bezüge zu mehreren Schnittstellen der vier Bezugskoordinaten auf, die praxisnah vertieft werden.

Angesiedelt an der Schnittstelle von rationalem und konkret spürbarem Erleben wird eine taktil-performative und mikro-phänomenologische Forschungspraxis vorgestellt, die zu Beginn eines Forschungsprojektes über einen kreativ-reflexiven Zugang eine umfassende Auseinandersetzung mit einem Untersuchungsgegenstand anregt.

Über den Einbezug der mikro-phänomenologischen Methode (Petitmengin 2006) können Entscheidungsprozesse nachvollziehbar und einer Versprachlichung zugänglich gemacht werden. Methodologisch wird in diesem Ansatz anstelle der unmittelbaren Fokussierung von Inhalten über eine strukturelle Annäherung an deren „Rahmungen“ zunächst ein Vokabular für das prozessuale Geschehen selbst entwickelt, in dessen Verlauf sich „greifbare“ Inhalte abzeichnen können. Schließlich kann unter Hinzuziehung konkreter taktil-kinästhetischer Instrumente zur Erschließung sensorisch-spürbarer Wahrnehmungsquellen und (selbst-)reflexiver Denk- und Erfahrungsprozesse, der Forschungsgegenstand in mehreren aufeinander aufbauenden Phasen weiterentwickelt, abstrahiert und die schrittweise Transformation der Ausgangssituation vorangebracht werden.

Mit dem Fokus auf taktil-kinästhetischem (Hintergrund-)Wissen stellt diese künstlerische Forschungspraxis Instrumente zum Umgang mit unerwarteten Situationen und Befremdung bereit, die es ermöglichen, forschend Transformationsprozesse in interdisziplinären Forschungsfeldern initiieren und begleiten zu können. Der vorgestellte Ansatz basiert auf der Übereinkunft, „dass Kunst als Forschungspraxis, gerade aus ihren eigenen künstlerischen Artikulationsmethoden heraus Reflexionsformen entwickeln kann, die es ihr ermöglichen, ihre Inhalte zu kommunizieren und kritisch zu reflektieren“ (Haarmann 2019, 11).

Ergänzend wird ein Einblick in Konzept des Artist-Led-Learning der Kulturwissenschaftlerin Tatiana Chemi gegeben, nicht zuletzt um diese in Hochschulbildung und Unterrichtskonzepte zu integrieren.

Kurzvita:
Elke Mark forscht als freischaffende Künstlerin mit Schwerpunkt Performance Art und prozessualen textilen Objekten zu sensorischem Wissen, Denken in Bewegung und Dialogkonzepten | 2020 Promotion an der Europa-Universität Flensburg zu einer, aus dem künstlerischen Schaffensprozess hervorgegangenen, taktil-performativen und mikro-phänomenologischen Forschungspraxis | 2008 Diplom in audio-visuellen Medien der Kunsthochschule für Medien, Köln | Assoziierte des Performance Netzwerks PAErsche Aktionslabor, www.paersche.org, www.elkemark.com